Rollstuhlbasketball ist eine der populärsten und am stärksten verbreiteten Sportarten im Behindertensport. Im Selbstverständnis der Athleten handelt es sich beim Rollstuhlbasketball nicht um die behindertengerechte Variation des herkömmlichen Basketballspiels, sondern um eine eigenständige Sportart. Gespielt wird nach den Regeln der IWBF (International Wheelchair Basketball Federation) auf der Grundlage des Regelwerks des Internationalen Basketballverbandes (FIBA). Bis auf wenige spezifische Änderungen entspricht das Regelwerk dem des Fußgänger-Basketball, wie der „Nichtbehinderten-Basketball“ von der Rollstuhlbasketballern umgangssprachlich bezeichnet wird. Auf nationaler Ebene besteht zwischen den beiden Verbänden, Deutscher Rollstuhl-Sportverband (DRS) und Deutscher Basketball Bund (DBB), eine bis zur Basis reichende enge und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Die kleinen Unterschiede

Dennoch bestehen natürlich kleine Unterschiede: im Rollstuhlbasketball spielen Männer und Frauen, Behinderte und Nichtbehinderte zusammen. Für Chancengleichheit und Gerechtigkeit sorgt ein ausgetüfteltes Klassifizierungssystem der Spieler. Den Schrittfehler existiert im Rollstuhlbasketball ebenfalls, denn nach zwei Schüben an den großen Rädern muss ein Spieler den Ball dribbeln, ein Doppeldribbling gibt es jedoch nicht: Der Ball kann gehalten oder auf dem Schoß abgelegt werden, das Dribbling darf beliebig oft zum Anschieben unterbrochen werden.

Fouls

Nicht jeder Rollstuhlkontakt ist gleichzeitig ein Foul, auch wenn es manchmal heftig kracht. Im Prinzip gelten die Foulregeln wie im Fußgänger-Basketball, jedoch den Besonderheiten des Rollstuhlbasketballs angepasst. Hauptgrund hierfür ist die Tatsache, dass das Sportgerät Rollstuhl letztendlich wesentlich mehr Raum auf dem Spielfeld einnimmt als ein laufender Basketballer und auch nicht auf den Punkt zum Stehen gebracht werden kann.

Klassifizierung

Der enorm integrative Faktor liegt in der funktionellen Klassifizierung begründet, die ermöglicht, dass Sportler mit den unterschiedlichsten Einschränkungen in ihrer Mobilität bis hin zu komplett Nichtbehinderten zusammen ihren Leistungssport betreiben können. Auf Vereinsebene ist es in der Mehrheit der einzelnen Ländern sogar üblich, dass entgegen zur Ebene der Nationalmannschaften Frauen auch in Männerteams aktiv sind, da es von der Grundgesamtheit her zu wenige Sportlerinnen gibt, um ein ganzes Ligasystem zu bestücken. Die funktionelle Klassifizierung bewertet dabei, über welche basketballrelevanten Muskelfunktionen ein Spieler verfügen kann. Die Skala reicht in 0,5-Punkte-Schritten von 1,0 (beispielsweise für hohe Quer¬schnittsläh¬mungen) bis zu 4,5 Punkten für Nicht- oder Minimalbehinderte. Die Summe der Klassifizie¬rungspunkte der fünf Spieler auf dem Feld darf 14,0 Punkte im Bereich der Nationalmannschaften und 14,5 Punkte bei Wettbewerben der Klubteams nicht überschreiten. Ist dabei eine Spielerin unter den fünf Aktiven auf dem Spielfeld, erhöht sich diese Gesamt-Klassifizierungspunktzahl um den Wert 1,5.

Das Sportgerät

Der verwendete Sportrollstuhl ist ein Highend-Sportgerät, das speziell auf die Körpermaße und Bedürfnisse des jeweiligen Sportlers angefertigt wird und dessen Anschaffungskosten im hohen vierstelligen Bereich liegen. Der Rahmen ist fest verschweißt und damit äußerst belastbar. Die Räder besitzen einen Achssturz von bis zu 21 Grad, was den Rollstuhl besonders wendig macht und Fahrstabilität mit sich bringt. Die Sitzposition wird abhängig von Behinderung und Spielposition gewählt, noch oben hin jedoch limitiert. Die Räder dürfen maximal 28 Zoll Durchmesser aufweisen und jeder Roll-stuhl muss mit einem Rammbügel ausgerüstet sein, der nicht mehr als elf Zentimeter über dem Boden liegt.

Kompetenter Technikaustatter der deutschen Nationalmannschaften ist das im niedersächsischen Duderstadt beheimatete Traditionsunternehmen Ottobock mit seinem Premiumprodukt "Invader".